Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der alle Bereiche des Lebens durchökonomisiert sind. Exemplarisch dafür ist unser Umgang mit Nutztieren. Lag die jährliche Milchmenge, die eine Kuh 1950 abgab, noch bei rund 2.500 Kilogramm, stieg sie über die Jahrzehnte auf über 8.000 Kilogramm Stand heute. Doch wie genau konnten solche Werte erreicht werden und wie entwickelte sich die Rinderhaltung in Deutschland genau?

rinder gr 2020

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der alle Bereiche des Lebens durchökonomisiert sind. Exemplarisch dafür ist unser Umgang mit Nutztieren. Lag die jährliche Milchmenge, die eine Kuh 1950 abgab, noch bei rund 2.500 Kilogramm, stieg sie über die Jahrzehnte auf über 8.000 Kilogramm Stand heute. Doch wie genau konnten solche Werte erreicht werden und wie entwickelte sich die Rinderhaltung in Deutschland genau?

Der Ursprung des Leistungsprinzips in deutschen Rinderställen lag nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Es galt, die Millionen Bewohner eines zerstörten Landes zu ernähren und das Land wiederaufzubauen. Mehrere tausend Rinder kamen dabei als US-amerikanische Spende per Schiff über den Atlantik, sodass allein im Jahr 1949 alle vier bis sechs Wochen ein Dampfer mit den Nutztieren in Bremerhaven einlief. Die Frage nach der ökonomischen Optimierung der Rinderhaltung stellte sich in diesen Jahren insbesondere im Hinblick auf die Versorgungssicherheit der deutschen Bevölkerung. Durch Zucht, mechanisierte Rationalisierung der Arbeitsabläufe und eine in der Landwirtschaft bis dahin eher untypische betriebswirtschaftliche Kostenrechnung konnte die Produktivität um fast 40 Prozent innerhalb von zehn Jahren gesteigert werden. Zugleich etablierte dies einen Trend, der sich bis in die Gegenwart fortsetzt.

Einen nicht geringen Anteil an dieser Entwicklung trug auch der sogenannte Marshall-Plan, der US-amerikanische Wiederaufbauplan für das zerstörte Europa nach dem zweiten Weltkrieg. So flossen etwa 1951 rund 180.000 D-Mark in den Bau einer Rinderbesamungszentrale in Nordbayern. Das damals noch neuartige Verfahren, dem Bullen Sperma abzunehmen, es tiefgekühlt zu transportieren und damit eine Kuh zu befruchten ebnete den Weg für weitere Qualitätssteigerungen und vereinte viele Vorteile: So wurden etwa Geschlechtskrankheiten bei der Paarung vermieden und das Sperma eines Zuchtbullen konnte günstiger, weiter und zu mehr Kühen transportiert werden, als es ein Zuchtbulle je konnte.

All diese Entwicklungen trugen letztlich zur industriellen Nutztierhaltung von heute bei. Während damals eher praktische Gründe für das ökonomische Prinzip im Rinderstall herrschten, sehen wir heute stärker als je zuvor die Schattenseiten dieser Art der Haltung: Belastung des Grundwassers durch zu viel entstehenden Dung, eine Haltung die häufig an Tierquälerei grenzt, der Umstand, dass männliche Rinder in der Milchviehhaltung ähnlich wie männliche Küken als Abfallprodukte gesehen werden und nicht zuletzt die Klimabelastung durch die entstehenden Treibhausgase. Die Zeit ist reif für einen Paradigmenwechsel.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.08.2020

Bild: Kylee Alons / unsplash.com

Termine und Veranstaltungen

AUFGRUND DER DERZEITIGEN LAGE HINSICHTLICH DER VERBREITUNG DES CORONA-VIRUS SIND ALLE IG FÜR VERANSTALTUNGEN BIS AUF WEITERES ABGESAGT. WIR MELDEN UNS, SOBALD ES WIEDER WEITERGEHT UND BITTEN UM IHR VERSTÄNDNIS. BLEIBEN SIE GESUND!

Ob Symposium, Fachtagungen, Vorträge oder Vorstandstreffen, hier informieren wir Sie über kommende Veranstaltungen der
IG FÜR in den Arbeitsgruppen Fulda und Kempten.

Arbeitsgruppe Fulda

Jeden ersten Montag des Monats organisiert die IG FÜR interessante Vorträge in Fulda rund um die Themen Gesundheit und nachhaltiges Leben.

Veranstaltungsort: tegut… Zentrale,
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Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen!

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Jeden letzten Mittwoch des Monats organisiert die IG FÜR interessante Vorträge in Kempten rund um die Themen Gesundheit und nachhaltiges Leben.

Veranstaltungsort: 's Lorenz, Prälat-Götz-Straße 2, 87439 Kempten; Telefon: 0831 28584

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Die IG FÜR gibt in regelmäßigen Abständen das IG FÜR Magazin (ehem. IG FÜR Zeitung) heraus, um ihre Mitglieder rund um das Thema „Lebensmittel sind Mittel zum Leben“ und über die Aktivitäten der IG FÜR zu informieren. Die aktuellen Ausgaben finden Sie hier zum Download. Viel Spaß beim Schmökern!

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  • Aktuelle Statements zur Corona-Krise
  • Wertschätzen tut gut
  • Tierwohl bei EDEKA Südwest Fleisch

Ausgaben 2020: Nr. 2 / Nr. 1
Ausgaben 2019: Nr. 3 / Nr. 2 / Nr. 1
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