Wir haben mit Neumarkter Lammsbräu gesprochen und spannende Einblicke in die wachsende Bedeutung alkoholfreier Biere, die Kunst des Brauens sowie die Rolle von Nachhaltigkeit, Qualität und Entschleunigung in ihrer traditionsreichen Brauphilosophie gewonnen.
Sortimente mit alkoholfreien Bier sind in den letzten Jahren gewachsen. Wird alkoholfreies Bier damit vom Nischenprodukt zum Symbol einer bewussteren Genusskultur?
Definitiv. Bier grundsätzlich ist ein Genussgetränk, das Werte wie Tradition und Geselligkeit verkörpert. Alkoholfreies Bier ist dabei nicht die schlechtere Alternative zum alkoholhaltigen Bier, sondern bietet dieselben Genussmomente. Bei unseren alkoholfreien Bio-Bieren bedeutet das „Genuss ohne Reue“ im doppelten Sinn: Zum einen Genuss ohne Kater am nächsten Morgen. Zum anderen Genuss bei dem man weiß, dass jeder Schluck die ökologische Landwirtschaft und damit Wasser, Boden, Klima und Arten schützt.
Alkoholfreies Dunkelbier ist nach wie vor selten Was war die größte Herausforderung, ein dunkles Bier ohne Alkohol zu brauen, dass gleichzeitig Geschmackstiefe und Natürlichkeit bietet?
Gerade dunkle Biere eigenen sich hervorragend als alkoholfreie Varianten, da durch das dunkle Malz ein charaktervoller Geschmack entsteht. Wir stellen für unsere dunklen Biere in unserer hauseigenen Bio-Mälzerei ein dunkles Malz her, das man in dieser Qualität sonst nirgends bekommt. Vermutlich ist das auch der Grund, warum gerade unsere dunklen alkoholfreien Biere sich so hoher Beliebtheit erfreuen.
Lammsbräu hat eine 400-Jährige Tradition. Welche Rolle spielt die Wertschätzung hochwertiger Bio-Rohstoffe in Ihrer Brauphilosophie?
Bestes Bier kann nur mit den besten Rohstoffen entstehen. Und die besten Rohstoffe sind aus unserer Sicht immer die natürlichsten. Darum brauen wir beispielsweise auch ausschließlich mit Naturdoldenhopfen und verwenden keine weiterverarbeiteten Hopfenprodukte wie Pellets oder Extrakt.
Wir denken immer vom Acker bis ins Glas und haben eine sehr enge Verbindung zu den über 170 Bio-Landwirtinnen und Landwirten aus unserer Region, die uns mit Braurohstoffen beliefern. So stellen wir gelebte Partnerschaft auf Augenhöhe mit fairen Preisen und gleichzeitig die höchste Qualität unserer Rohstoffe sicher.
Wer über Longevity spricht, spricht oft auch über Entschleunigung. Wie spiegelt sich diese Idee von Langsamkeit und Sorgfalt in Ihren Brauprozessen wider?
Genauso wie guter Wein benötigt auch ein exzellentes Bier Zeit. Einer unserer Unternehmenswerte lautet „Leidenschaft fürs Produkt“. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes bereit „Leiden“, also Mehraufwand, in Kauf zu nehmen, um das Beste für unsere Biere herauszuholen. Dies wird zum Beispiel in der aufwändigen Verarbeitung des Naturdoldenhopfen, der ein besonderes Hopfenaroma garantiert oder in unseren klassischen, langen Gär- und Reifungsverfahren, die den Geschmack unserer Biere abrunden, sichtbar. Außerdem verzichten wir vollständig auf den Einsatz von Stabilisierungsmitteln. Qualität liegt für uns also in der Einfachheit und Natürlichkeit.
Das Interview führte Larissa Steyer, IG FÜR Redaktion


